Bonn Memorandum 2009
Nachhaltigkeit im Alltag
Medien und Nachhaltige Entwicklung
„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.“ Dieses Zitat des deutschen Journalisten Hanns Joachim Friedrichs gilt auch für den medialen Umgang mit dem Thema ‚Nachhaltige Entwicklung‘. Dennoch können die Medien eine wichtige Rolle bei der Förderung des Konzepts der nachhaltigen Entwicklung und der dafür notwendigen Verhaltensänderungen spielen. Dabei ist es jedoch notwendig, dass sie sich als kritischer Begleiter verstehen, der zugleich die gebotene journalistische Distanz einhält. In diesem Sinne könnten Medien das Konzept der nachhaltigen Entwicklung in folgenden Aspekten begleiten:
- Bereits während der journalistischen Ausbildung sollten Nachhaltigkeit und Anreize zu nachhaltigem Verhalten eine zentrale Rolle spielen, beispielsweise in Bezug auf die Auswahlkriterien für journalistische Themen.
- Die Medien sollten insbesondere verdeutlichen, dass jede einzelne Person durch Verhaltensänderungen im Alltag nachhaltige Entwicklung unterstützen kann. Die Berichterstattung sollte betonen, dass Verhaltensänderungen im Zuge einer nachhaltigen Entwicklung nicht notwendigerweise zu einer geringeren Lebensqualität führen müssen. Auf diese Weise können Medien auch Vorbehalte gegenüber nachhaltigem Verhalten abbauen.
- Die Medien können durch ihre Programme und Inhalte maßgeblich dazu beitragen, Fehlentwicklungen aufzuzeigen und ein positives Image eines nachhaltigen Lebensstils zu vermitteln. Um nachhaltiges Verhalten zu fördern, sollte sich die Berichterstattung insbesondere darauf konzentrieren, ein Bewusstsein für die Notwendigkeit nachhaltiger Entwicklung zu schaffen, etwa durch die Darstellung konkreter Beispiele für nachhaltiges Verhalten sowie das Aufzeigen von Fehlentwicklungen und strukturellen Barrieren für nachhaltige Entwicklung, die Eigenverantwortlichkeit im Hinblick auf Nachhaltigkeit zu fördern und schließlich die positive Wirkung nachhaltigen Verhaltens auf die eigene Lebensqualität zu vermitteln.
Insbesondere journalistische Qualitätsmedien mit kritischer Rechercheleistung können eine Vorreiterrolle bei der Verbreitung von Anreizen zu nachhaltigem Verhalten einnehmen und dadurch letztendlich auch ein Umdenken der Politik in diesem Bereich bewirken. Zur stärkeren Förderung nachhaltiger Entwicklung könnten auch folgende Schritte erwogen werden:
- Das Leitprinzip der nachhaltigen Entwicklung im Programmauftrag verankern. Die Programmgrundsätze deutscher öffentlich-rechtlicher Medien enthalten genaue Hinweise auf die Behandlung von Themen wie Fundamentalismus, Fremdenfeindlichkeit und Jugendschutz. Auch das Leitprinzip der nachhaltigen Entwicklung könnte hier und in Journalisten-Handbüchern verankert werden.
- Das Leitprinzip der nachhaltigen Entwicklung in die Auswahl, Bearbeitung, Erstellung und Produktion journalistischer Inhalte integrieren.
- Das Leitprinzip der nachhaltigen Entwicklung in den nationalen Pressekodex aufnehmen. So enthalten beispielsweise die derzeit gültigen publizistischen Grundsätze (Pressekodex) des Deutschen Presserats presseethische Anforderungen hinsichtlich der Themen Diskriminierung, Medizin-Berichterstattung und Jugendschutz. Auch das Thema nachhaltige Entwicklung könnte hier aufgenommen werden.
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